Mittwoch, 22. Oktober 2014

Herbst 2014 07- Kloster, Kneipe, Kultur - zum Schluss landen wir in Bali


17.10.2014, Freitag

Auch heute fahren wir, ohne uns zu verabreden, unterschiedlich los.  Bis zum nordöstlichen Punkt Kretas schaffen wir es nicht. An einem Zaun mit bewachten Kontrollpunkt ist Schluss. Hier ist militärisches Sperrgebiet. Also umdrehen und weiter zum Männerkloster Toplou.  Die Kirche und das Museum sind sehr ansehenswert. Begeistert sind wir von einer Ikone auf der die biblische Geschichte dargestellt ist. Eine Szene darauf ist, wie ein Heiliger aus der Bibel von einem Wal an Land gespien wird. An dieser Stelle waren wir vor anderthalb Jahren in Marokko. Irre! Allerdings sehen Bild und Wirklichkeit sehr verschieden aus.



Als Tagesziel hatten wir uns Mohlos, ein Dorf direkt am Meer, ausgedacht. Idyllisch über die Berge führt uns die Straße runter ans Meer. Idyllisch ist auch die Lage des bergigen Dorfes am Wasser. Auf steilen Straßen geht es weiter hinunter an die Strandpromenade. Petra warnt mich: wir bleiben dort stecken! Es wird auch ganz schön eng, so dass wir ganz schnell versuchen zurück zu kommen. Mit viel rangieren gelingt uns das dann auch.

Zurück in die Berge, und wie wir es vermutet hatten treffen wir an der nächsten Gaststätte unsere mitreisende Freunde Angelika und Bernd. Hier hatten sie im vergangenen Jahr Weihnachten bei der albanisch stämmigen Gastwirtsfamilie verbracht.  Wir sind uns alle sehr sympathisch, die Verständigung klappt recht gut auf Englisch. Für morgen Abend verabreden wir uns zum Abendbrot.






Der um die Ecke liegende Sandstrand Tholos ist fürs Baden und zum Übernachten ideal. Geschütze Bucht, Strandduschen, im Wasser keine Steine, flaches Wasser, Schatten spendende Tamariskenbäume, ein Naturhafen, Boote liegen am Strand und im Wasser, ein Kirchlein bringt himmlischen Beistand.

18.10.2014, Samstag

Morgenbad, in Ruhe frühstücken, im Schatten der Tamarisken sitzen und klönen. Ich wandere mit meinen selbst geschnitzten Wanderstöcken auf einen Berg in der Nähe. Es geht steil hoch durch Olivenhaine, an Weinterassen vorbei über Schotterflächen und durch Machia, die nach Salbei und Thymian herrlich duftet. Immer höher hinauf, der Blick weitet sich, man / ich fühle mich wie ??? Der Blick von oben auf die Welt dort unten, das hat etwas Erhabenes. Ich habe ja auch meinen Körper bis hierher hoch gehoben.  Mir fällt auf, dass es hier zurzeit kein Getier gibt. Keine sich in der Sonne wärmenden Eidechsen, keine Vögel, das ist schon eigenartig. Nur eine Heuschrecke habe ich gesehen und eine Zikade ist zu hören. 

Unser Abendbrot

Gegen fünf Uhr nachmittags fahren wir hoch zum Abendbrot essen in die Gaststätte der Albaner. Es war ein sehr netter, feuchtfröhlicher Abend. Der Herr des Hauses mixt für Petra eine Flasche Aloe-Vera-Orangen-Getränk. Es soll gut für den Bauch sein. Ich darf die ganze Prozedur mit meiner Kamera filmen. Von einer Agave wird ein Blatt abgeschnitten, die Stachel an der Seite werden weggeschnitten. Der Rest wird kleingeschnitten und mit Wasser im Mixer zerkleinert. Der Saft von mehreren Orangen hinzu getan und nochmals lange im Mixer verrührt. Der Geschmack ist zwar bitter, das ganze Getränk soll aber eine entzündungshemmende Wirkung haben. Hat es auch, wie Petra später feststellt. Ihre Bauchschmerzen gehen weg, wahrscheinlich war’s Aloe Vera, wenn nicht, dann hat es auch nicht geschadet.

Übernachten auf dem Parkplatz vor der Gaststätte.
 

19.10.2014, Sonntag

Über Nacht war es sehr windig. Nach dem Frühstück und einer ausführlichen Verabschiedung von … und … fahren wir gemeinsam nach Kavousi und wandern von dort angeblich 2 km zum alten Olivenbaum. Dieser soll über 2 000 Jahre alt sein. Auf dem steilen und kurzen Europawanderweg Nr. 4 sind es bestimmt die 2000 Meter bis dorthin. Auf der Straße, die wir in langen Serpentinen gehen wird es drei Mal so weit sein. Also geschätzt 6 km hin und auch wieder zurück. Der Umfang des immer noch grünenden und Früchte tragenden Baus beträgt am Boden 19,5 m. 2004 wurden aus diesem Baum in einer feierlichen Zeremonie die Zweige für den Siegeskranz der Siegerin im olympischen Marathonlauf geschnitten. Das passt ja wieder, vor ein paar Tagen war ich in Berlin und habe einen Marathon auf Inlinern bestritten. Richtig: Sieger bin ich bei diesem Wettbewerb nicht geworden, aber immerhin Sieger über mich selbst.

Kommen drei Wanderer des Weges, der vierte fotografiert

2 000 Jahre an derselben Stelle und jedes Jahr wieder Früchte getragen - unglaublich!
Nach diesem gemeinsamen Ausflug trennen wir uns diesmal tatsächlich. Angelika und Bernd fahren allein in Richtung Südküste / Matala, wir wollen in den Norden, dann nach Knossos. Irgendwann in ein paar Tagen werden wir per SMS oder WhatsApp Kontakt aufnehmen und uns wieder treffen. Das ist eine unserer Reiseregel: nicht zu lange aufeinander hocken, sondern ganz bewusst trennen. Anschließend freut man sich dann wieder auf gemeinsame Tage.
Es ist sehr stürmisch, weiße Schaumkronen draußen auf dem Mittelmeer. Petra und ich beschließen an eine geschützte Bucht bei Plaka zu fahren. Hier in Plaka peitscht der Wind das Wasser bis in den Ort. Unser Womo erhält einige Wassertreffer, so ungefähr 15 Meter von der Uferlinie entfernt ab. Wahrscheinlich ist es keine gute Idee, hier den Nachmittag und die Nacht zu verbringen. Ja, dann fahren wir eben weiter nach Knossos zu den Ausgrabungsstätten. Rund eine Stunde quer durch die Berge auf engen und kurvigen Straßen, dann sind wir auf der gut ausgebauten neuen Nationalstraße nach Iraklion. In Iraklion gibt es wieder mal mit unserer Navi-Dame Klara Meinungsverschiedenheiten. Sie will uns durch Straßen führen, von denen wir annehmen, dass wir mal stecken bleiben. Also, den Wegweisern folgen. Das war die bessere Idee. Übernachten auf einem Parkplatz in Nähe der Ausgrabungsstätte. Den Sonntagabend-Polizeiruf im Ersten schauen wir uns an, aber verstanden haben wir ihn nicht so richtig.

Der Chef der Gaststätte in den Bergen hatte speziell für Petra frische Kräuter gesammelt, Salbei und verschiedene Sorten Minze. Diese hängen jetzt in der „Garage“ unter unseren Betten und verbreiten einen angenehmen, intensiven Duft. In dieser Wolke schlafen wir von nun ab, das ist sehr angenehm: die Minze sorgt für eine freie Nase und die Salbei für gute Lungenatmung.

20.10.2014, Montag

Besichtigung der Ausgrabungen von Knossos, wir schließen uns einer Gruppe des Kreuzfahrers „MS Deutschland“ an und erfahren das, was man über diese historische Stätte wissen muss. 3500 Jahre Geschichte sind hier zu besichtigen. Das größte minoische Palastzentrum Kretas wurde zwischen 1900 und 1940 durch den Briten Arthur Evans freigelegt. Bis zu fünf Etagen hoch waren die Gebäude, über 1000 Räume ineinander verschachtelt befanden sich hier, rund 3 Kilometer vom Meer entfernt. Das Ganze ist systematisch angelegt: im Norden die Händler, im Osten die Handwerker, in der Mitte die Priester mit den Vorräten im Westen. Hier sollen vor 3500 Jahren zwischen 10 000 bis 100 000 Menschen gelebt haben. Wasser wurde aus den Bergen durch Tonleitungen bis hierher geleitet. Abwasserleitungen existierten auch. Es muss ein für damalige Zeiten unbeschreiblicher Luxus gewesen sein hier als herrschende Klasse zu leben. Es hat an nichts gefehlt.




Einen eigentümlichen Eindruck macht die Ausgrabungsstätte schon. Sir Arthur Evans hat Gebäudefragmente in die Landschaft gesetzt und dabei Beton statt des damals verwendeten Holzes verwendet und einige Teile bemalen lassen. Authentisch ist das nicht, vermittelt aber so einen gewissen Eindruck, wie es ungefähr ausgesehen haben könnte. Die Führerin erklärte, damit mehr Besucher kommen, sollen noch weitere Teile in ähnlicher Form aufgebaut werden. Wie wir gelesen haben, ist dies hier mehr eine Art Disneyland der Archäologie als eine wissenschaftliche Ausgrabungsstätte. Das stimmt schon. Aber, wenn es der Bildung dient, warum nicht.!?

In einem Reiseführer lese ich, dass Knossos die älteste Stadt auf griechischem und europäischen ist. Sie wurde kontinuierlich über 9 000 Jahre, von 7 000 vor Christus bis in unsere Tage bewohnt.

Nach zwei Tagen ohne baden im Meer drängt es uns mal wieder an einen Strand. Auf der Karte sehen wir den Ort Bali. Das hört sich doch ganz nach Urlaub pur an. Nichts wie hin. Wir finden einen kleinen Touristenort in der Nachsaison und können hier am Strandparkplatz übernachten. Die Tavernen haben auf, free Wifi gibt es, Duschen sind da, nur baden kann man heute nicht mit Vergnügen, da die Wellen doch etwas heftig reinrollen. Bier, Orangensaft, Souvlaki, Moussaka, ein halber Liter Wein in der Taverne vorn am Wasser und schon wird es dunkel. Es lässt sich aushalten!

 

21.10.2014, Dienstag

Hier ist es schön, hier bleiben wir noch einen Tag und eine Nacht. Das Wohnmobil wird groß sauber gemacht, mit anderen Wohnmobilisten die gerade angekommen sind geklönt und ich schreibe den Blog weiter. Nachher werden wir bei einem Getränk unserer Wahl im „Golden Sun“ den Blog vervollständigen/hochladen.

22.10.2014, Mittwoch

Die Sonne geht über den Bergen ziemlich spät auf. Das Morgenbad im Meer erfrischt, das Frühstück schmeckt und der Rest des Blogs wird geschrieben und für das Hochladen vorbereitet.

 

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