Freitag, 21. März 2014

9. Wir sehen den Zuckerhut und erleben Bergbaugegend



noch 14.03.2014, Freitag
Calasetta und Umgebung mit den Rädern abgefahren -
Calasetta hat ebenfalls ein schönes Zentrum mit Cafe's, Läden und einer Fußgängerzone. Wir fahren rund 10 km die Küstenstraße entlang, immer wieder neue Ausblicke.
Die Finanz- und Immobilienkrise ist hier, wie auf ganz Sardinien, augenscheinlich zu sehen. Viele nicht beendete öffentliche Projekte und zum Teil nur im Skelett angefangene Häuser und Ferienanlagen sehen wir. Hier fehlte zur Fertigstellung offensichtlich das Geld. Schade, den wie gebaut wurde, das ist ansehenswert. Ein- bis zweistöckig, Ziegeldächer, Verkleidungen mit ortsüblichen Materialien - der Natur angepasst.
Einsamer Leuchtturm vor Calasetta
In der Fußgängerzone von Calasetta, jetzt ist gerade Keiner da. In der Saison muss es toll sein.

Über die beiden Lidl in Sant Antioco und Carbonia an den Strand in Fontanamare. Ein sehr großer, sehr schön angelegter, mit Sand teilweise zugewehter und  nicht komplett beendeter Strandparkplatz mit überdimensionierter Beleuchtung ist unser Nachtplatz. Alle installierten rund 30 Lampen leuchten die gesamte Nacht, nur für uns. Welch ein Reichtum, welch eine Verschwendung, welch ein Irrsinn. (39°16'46,3"N, 08°25'59,1"E)
Fontanamare - Strandparkplatz mit betser Beleuchtung

15.03.2014, Sonnabend
Im Baedecker haben wir gelesen, das die Altstadt von Iglesias sehr reizvoll ist und wegen des Bergbaus wohlhabend war. Ein Grund für uns, dorthin zu fahren. Dank Navi-Dame Klara finden wir gut hin und sofort einen Parkplatz.
Hier im Südwesten Sardiniens existieren reiche Erzlager, die schon in vorgeschichtlicher Zeit ausgebeutet wurden. Für die Zeit der Karthager und Römer ist eine Siedlung namens Metalla bezeugt, sie konnte aber bis heute nicht genau lokalisiert werden.
Iglesias wurde als Villa di Chiesa (Kirchstadt) Anfang des 13. Jahrhunderts von einem Pisaner Admiral nach dem Vorbild toskanischer Städte zur Ausbeutung der Silberminen gegründet. Die Aragonier eroberten später Iglesias. Mitte des 15. Jahrhunderts wurden die Bergwerke stillgelegt, da sich das Interesse Spaniens auf die Schätze der neuen Welt richtete.
Der Bergbau erlebte einen Aufschwung, als 1859 per Gesetz entschieden wurde, dass die Bodenschätze Eigentum des Staates und nicht des jeweiligen Grundbesitzers sind. 1867 wurden große Zinkvorkommen entdeckt, es setzte ein regelrechter "Galmeirausch" ein. Galmei bezeichnet zwei der wichtigsten Zinkerze. Heute sind alle Bergwerke wegen Unrentabilität geschlossen, die Spuren dieser Zeit sieht man überall.
traurige Zeugen des einst stolzen Bergbaus - hinten eine Abraumhalde

kurz vor Iglesias
In der Innenstadt von Iglesias


Sonnabendplausch

Tanken, Iglesias 63,62 Liter, 1,619 €/l, 103,00€, km 22351, voll
Von Iglesias zurück auf die Uferstraße und dort das Berg-, Meer-, Wald- und Felspanorama genießen. In Buggeru finden wir einen Wohnmobilstellplatz auf dem einige italienische Wohnmobile stehen. Hier könnte man länger stehen.

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Blick auf den Zuckerhut

Mit jungen Leuten unterhalte ich mich mit Händen und Füßen und zum Schluss mit dem Google-Übersetzer meines Smartphone - klappt wunderbar - und erfahre, dass morgen hier ein Fest statt findet, auf dem man Seeigel essen kann.
Im Laufe des Abends kommen immer mehr Wohnmobile an. Das letzte, wie Petra sagt, halb elf in der Nacht. 
16.03.2014, Sonntag
Die Brandung brüllt und es ist windstill.
Der Kaffee duftet, der Frühstückstisch ist gedeckt und ich höre auf zu tippen. Erst kommt das Fressen und dann die Moral!
Leicht bedeckt und kein Wind, das beste Wetter zum Radeln. Fahrräder raus und über die Berge zum Nachbarort Portixeddu. Schöne Ausblicke von den Bergen auf die Buchten und das Meer.
Mit dem Rad nach Portixeddu

In Portixeddu

Um eins sind wir auf der Hangstraße über dem Ort und schauen aufs Festtreiben, Live-Musik und viele Leute stehen irgendwie geordnet, so als ob sie dem Treiben auf einer Bühne zusehen. Etwas später sehen wir das Dilemma: die geordnet stehenden Leute stehen in einer Schlange nach Ricci (Seeigel) an, eine Live-Band spielt tatsächlich. Schöne Stimmung, meist junge Leute stehen an, scherzen, singen mit, zum Genießen für uns.
Hinten anstellen und das Treiben beobachten. Es sind ungefähr 70m Schlange vor uns, hinter uns stellen sich auch welche an. Die aufgestellten Tische sind voll besetzt. Unser Eindruck: es muss sich lohnen Seeigel zu essen. Nach 3 1/2 Stunden anstehen erhalte ich endlich unsere Ricci mit Pasta, Wein und Pane. Was nicht zu glauben ist: die Stimmung in der Schlange war die ganze Zeit entspannt, keiner hat gemurrt oder gemeckert. Ich und 3 1/2 Stunden anstehen, das geht eigentlich gar nicht. Aber das hier war auszuhalten. Mit einer jungen Frau kommunizierte ich per Google-Übersetzer. Leider war der Akku schnell leer. Es war schon auszuhalten. 2x fehlte für das Menü die Pasta, die erst von irgend wo her geholt werden musste, jeweils rund 15 Minuten keine Ausgabe. Es hat sich darüber keiner aufgeregt.  Italienische Gelassenheit, kaum zu glauben.
Blick von oben auf das Treiben

Am Ende der Schlange

Statt 8 Seeigel gibt es jetzt zum Schluss nur noch 6 Seeigel zum gleichen Preis, keiner regt sich auf, es muss ja für alle reichen.
Die Seeigel werden hinter dem Tresen an einem Tisch aufgeschnitten, was dann noch drin bleibt sind sechs rötliche Rogenstreifen streichholzdick und 1/2 cm lang und das wird dann ganz bedächtig mit dem Stiel vom Plastelöffel rausgeholt. Geschmeckt hat das winzige Etwas schon.
Seeigel mit Pasta

Seeigelschmaus


Am Abend fahren 27 von 28 Wohnmobilen ab und wir bleiben allein mit einem französischem Paar  zurück.
Jetzt ist es wieder ganz ruhig.
17.03.2014, Montag
Die Franzosen vor uns sind schon seit Ende Januar auf Sardinien. Wir tauschen gegenseitig unsere Erfahrungen aus. Was muss man gesehen haben, wo steht man gut?
Mit den Rädern fahren wir südlich zur Cala Domestika. Steil hoch auf den Panoramablick, auf der Hochebene lang und dann runter ins Tal und in die Bucht. Überall sieht man die Überreste des Bergbaus, verlassene und verfallene Bergarbeitersiedlungen, Abraumhalden an den Hängen, Fundamente von "Bergbaumaschinen", ausgediente Gruben und Mineneingänge oben im Fels.
Am Ende des Tals eine schöne Badebucht. Wunderschön.
Badebucht Cala Domestika

Bergbaureste in der Bucht, von hier aus wurde Erz verschifft

toter Delfin

Bergbaureste

Jetzt sind wir zurück und trinken Kaffee. Ich schreibe diesen Post zu Ende und will/muss ihn noch heute veröffentlichen. Die SIM-Karte läuft heute ab und ich werde sie erst in einigen Tagen aufladen, damit sie bis zu unserer Ausreise aus Italien reicht.

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