23.03.2014, Sonntag
Wir versuchen Evi anrufen um zum Geburtstag zu gratulieren. Hier an unserem Übernachtungsplatz haben wir keinen Empfang. Ok, dann suchen wir eben den Park mit den Schildkröten, den uns gestern der "Wohnmobilsarde" empfohlen hat. Immer hinten die Schotterpiste entlang, fährt sich gut. Dann tatsächlich ein Hinweisschild auf den SEU-Park. Die Piste wird zum Weg. Dieser wird allerdings durch den Bewuchs immer schmaler, so dass wir beschließen umzudrehen. Wir wissen nicht, wie weit wir noch wandern müssten.
 |
| Blühende Macchia |
Hier in der tiefsten Pampa versuchen wir nochmal zu telefonieren und es klappt. Wir zwischen der duftenden und blühenden Macchia mitten im Nirgendwo, Evi in Berlin und die Verständigung klappt ausgezeichnet.
Für alle Geheimdienste der Welt haben wir keine Hinweise, aber für uns die Freude am gegenseitigen hören.
Zur nächsten befestigten Straße sind es laut Navi rund 3 km, die Wegbeschaffenheit kennen wir nicht: Fahren oder nicht Fahren, das ist hier die Frage. Wir entscheiden uns für Fahren. Je weiter wir kommen, desto zerfahrener wird die Piste, der Feldweg. Längs- und Querrinnen sind schon für ein Fahrzeug unseres Ausmaßes eine Herausforderung. Ein LKW kommt uns entgegen, wir kommen ohne Schrammen aneinander vorbei, das war eng. Dann endlich wieder Asfalt unter den Reifen, der Hymer freut sich sichtlich. Er knarrt nicht mehr durch die Verwindungen, ächst nicht mehr beim "Durch-die-Löcher-Schwanken".
Jetzt noch ein bisschen Küste, Dünen, Achterwasser, Flamingos und weiter Blick bis zum Capo Mannu mit einer herrlichen Bucht
 |
| Capo Mannu |
 |
| Die Bucht am Capo Mannu |
und dann ab ins Landesinnere nach Fordongianus, hier hatten die alten Römer sich in einer Therme vergnügt. Wir tun es ihnen in einem "Badewannenhaus" mit Thermalwasser gleich. Eine halbe Stunde im heißen Wasser sitzen und schwitzen, jetzt sind wir porentief rein. Die Ausgrabung schauen wir uns von außen an.
 |
| Ruinen der Therme von Fordongianus |
 |
| War bestimmt mal sehr luxuriös |
 |
| Unterwegs |
Nicht weit von hier ist "Santa Cristina", in all unseren Reiseführern als absolut ansehenswert beschrieben.
Santa Cristina sind drei verschiedene, nebeneinander liegende Komplexe: ein mittelalterlich, christlisches Dorf,
 |
| Mittelalterliches Dorf mit moderner Lampe |
 |
| Wallfahrtskirche |
eine zerfallene Nuraghe samt zugehörigem überwachsenem Rundhüttendorf
 |
| Überwachsene Nuraghe mit zerfallenem Rundhüttendorf |
und das Brunnenheiligtum aus der Nuraghenzeit.
Alles wird nacheinander besichtigt. Beeindruckt hat uns am Stärksten das Brunnenheiligtum. Zu einem unterirdischen Brunnen führt eine recht breite Treppe mit 25 Stufen in rund 7m Tiefe. Der Treppenraum ist trapezförmig angelegt, die Wände sind aus exakt behauenen Quadern sägezahnförmig überlappend geschichtet. Die Brunnenkammer selbst verjüngt sich nach oben und schließt sich zu einer Kuppel, bei der der Abschlussstein fehlt. Oben ist eine kreisförmige Öffnung, 35 cm im Durchmesser, durch die das Tageslicht einfällt und den Brunnen erhellt.
Die Anlage ist mit astronomischem Wissen errichtet worden. Zur Tag- und Nachtgleiche zum Frühlings- und Herbstbeginn leuchtet das Sonnenlicht um 12.00 Uhr den Brunnen vollständig aus. Leider haben wir dieses Detail erst am Abend des diesjährigen Frühlingsbeginns gelesen und uns richtig geärgert! Sonst wären wir zu dieser Zeit dort gewesen.
Den Eingang zum Brunnenheiligtum sieht man erst, wenn man davor steht. Umgeben ist der Eingang von einer elipsenförmigen, kniehohen Steinmauer.
 |
| Eingang zum Brunnenheiligtum |
 |
| Bildunterschrift hinzufügen |
 |
| Unten am Brunnen |
 |
| Kuppel über dem Brunnen |
 |
| Brunnen unten |
Die Rituale des Wasserkults werden von den Ranghöchsten des Stammes im Verborgenen tief unter der Erde vollzogen, um den Bund mit den Göttern zu erneuern. Herrschaftswissen, Machterhalt, Machtdemonstration, wie sind die Auserwählten, ihr habt uns zu dienen und ihr dürft uns nicht in Zweifel ziehen! - Vor über 3000 Jahren.
E sist spät geworden, wir brauchen einen Platz zum Übernachten. Langes suchen geht nicht, auf nach Ghillarza. In einer Nebenstraße finden wir einen ebenen Platz mit freier Südsicht für unsere Satelitenantene für den Sonntagabendtatort. Krimi muss sein.
40°07'27,2"N, 08°50'32,5"E
24.03.2014, Montag
In der Nacht hat es fast durchgehend geregnet und zwischendurch schauerartig gehagelt. Unser Auto wurde durch Windböen immer mal wieder geschüttelt.
Wir fahren nach Santu Lussurgiu, dieses Städtchen wir wegen der handwerklichen Erzeugnisse empfohlen. Dort könnte man gut bummeln. Das mag sein, wir finden keine passende Parkmöglichkeit und Autoabenteuer müssen heute nicht sein. 2 km weiter südlich finden wir den Abstieg zu den Wasserfällen am Rio Sos Molinos. Gut 100 Höhenmeter bis zum Fuße des Wasserfalls runter und wieder hoch. Unterwegs wundern wir uns, dass hier Schnee liegt. Beim nächsten Hagelschauer wissen wir, es sind die Ansammlungen von Hagelkörnern! Hier oben in den Bergen, 700 m hoch ist das Wetter wie bei uns im April.
 |
| Beim Abstieg Schnee denken wir, es sind Hagelkörner |
 |
| Wasserfall, geschätzt 20m hoch |
 |
| Friedlicher Abfluss des Wasserfalls |
In den Sommerluftkurort San Leonardo fahren wir zum Wasser auffüllen. Unterwegs kommen uns vier Wanderer entgegen - Australier - eine Dame spricht recht gut deutsch. Tipps austauschen und dann weiter.
 |
| Unterwegs |
Das Wetter passt uns nicht, wir wollen wieder ans Meer. Unsere Navidame Klara erhält den Auftrag uns dorthin zu bringen. In Tresnuraghes will sie uns durch Gassen schicken durch die wir uns nicht trauen. Zweimal vertrauenswürdige Straßen durch die Stadt kurven, dann nehmen wir eine asfaltierte, einspurige Straße, die zu Stränden und Ausgrabungen führen soll. Wir fahren den Asfalt bis zum Ende und stehen in 70m Höhe auf den Klippen von Punta di Foghe direkt am Sarazeneturm. Hier wollten wir nicht hin, freuen uns aber, dass wir hier sind. Der Rio Mannu hat sich einen Canyon gegraben und fließt hier ins Meer. Unten tosende Brandung, oben weite gewellte Landschaft, von oben nach unten blühende Macchia, in der Nähe und Ferne schroffe Felsen, umspülte Felsnadeln und das weite Meer. Wir können uns nicht satt sehen. Durch Ziegenwege bei Sonne und Wind nach unten bis zum Fluss und wieder zurück. Unglaublich schön.
 |
| Sarazenenturm Torre Foghe |
 |
| Blick über die Felskante in die brodelnde Gischt |
 |
| Flußmündung |
 |
| Dame mit Kaktus |
 |
| Blühende Landschaften |
 |
| Blick ins Tal von unten |
Wir könnten hier allein die Nacht verbringen, es ist allerdings sehr windig und zudem böig. Nochmal wollen wir uns nicht durchrütteln lassen.
In Bosa, einer sehr hübschen Stadt am einzigen Fluss Sardiniens, der schiffbar ist, allerdings nur 3km, finden wir unseren Platz für die nächsten Tage.
Bosa - Parkplatz an der Fußgängerbrücke 40°17'41,4"N, 08°29'56,2"E
25.03.2014, Dienstag
Stadtbesichtigung Bosa, wirklich eine hübsche Stadt. Unten am Fluss breitere Straßen, am Hang dann schmale Gässchen und Treppenstiegen, marode Fassaden und hübsche bunte Fassaden wechseln sich ab. Cafes, Läden und gelassene Menschen bei ihren täglichen Verrichtungen. Eine Altstadt im Umbruch, uns gefällts.
 |
| Bosa Innenstadt |
 |
| Das Wetter ließ zu wünschen übrig |
 |
| Am Wege |
 |
| Bosa am Fluß |
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen